15.6.06

Rohe Eier

Dass eine Beziehung auf der Kippe steht, merkt man möglicherweise daran, dass beide Partner miteinander umgehen wie mit rohen Eiern. Beide sind besonders vorsichtig darum bemüht, den Partner nicht vor den Kopf zu stoßen, ihn um keinen Preis irgendwie zu reizen.

Daraus entsteht eine unechte Liebenswürdigkeit, die allein zum Ziel hat, zu retten, was zu retten ist. Bloß keinen Streit provozieren! Dafür steckt man schon mal gut und gerne zurück und verzichtet auf das Durchsetzen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Wie lange das gut gehen kann, bleibt abzuwarten. Wieviel von sich selbst kann man aufgeben, ohne sich selbst untreu zu werden? Wäre es nicht besser, eine Aussprache herbeizuführen? Reinigt nicht ein Streit eher die Luft als dieses ständige Hinterherkriechen? Oder wäre es dann aus und vorbei, weil wieder mal Dinge gesagt oder geschrieen werden, die dann nicht mehr zurückgenommen werden können, obwohl man sich hinterher wünscht, sie nicht ausgesprochen zu haben?

Ich krebse dahin auf Messers Schneide und weiß nicht, wo es lang gehen soll.

9.3.06

Jugenderinnerungen

Gestern beim Abstauben vom Bücherregal gefallen: Hanni und Nanni, Band 14, Hanni und Nanni gründen einen Klub. Auf dem kleinen Kärtchen, das als Lesezeichen zwischen den Seiten steckte, stand in Kinderschrift ein Glückwunsch an mich, unterschrieben von Maria. - Flashback!

Maria war in Kindertagen meine Nachbarin im Hausflur und auf der Schulbank in den ersten vier Jahren. Wir zwei waren unzertrennlich, jedenfalls bis Marias Familie irgendwann die Wohnung verkaufte und wegzog. Heut sitz ich hier mit Hanni und Nanni auf dem Schoß und dem kleinen Zettelchen in der Hand, muss niesen wegen dem Staub vom Bücherregal und mir wird ganz flau im Bauch, wenn ich an Maria zurückdenke.

Mit neun oder zehn gründeten Maria und ich zusammen mit Dieter einen Geheimklub. Sinn und Zweck des Klubs bestand im Erforschen unserer Körper. Zeig mir deins, ich zeig dir meins. Seit wir einmal beinahe erwischt worden wären hinter dem Vorhang im Spielzimmer bei Maria, trafen wir uns immer im Keller von Dieter, ausgerüstet mit Taschenlampen, um unsere haarlosen Geschlechtsteile gut ausleuchten zu können, damit uns keine wichtigen Details entgingen.

Den Dieter mochte ich eigentlich gar nicht so gut leiden, hab ihn aber akzeptiert, weil Maria ihn dabei haben wollte. Jahre später, als unsere Geschlechtsteile nicht mehr so haarlos waren, hat dann unser letztes Klubtreffen stattgefunden. Bei mir im Zimmer, weil meine Eltern uns sturmfreie Bude hinterlassen hatten. In einer atemberaubenden Stunde brachten wir das letzte Kapitel Körperkunde hinter uns, das uns allen noch fehlte. Maria und Dieter schliefen miteinander und ich saß daneben und machte es mir selber.

Ich mochte mir das damals eigentlich gar nicht ansehen, wie die beiden mit hitzeroten Gesichtern erst aneinander herumlutschten, sich Dieter irgendwann einen Gummi über den Lümmel zog und Maria mit unbeholfenen, kurzen Stößen vögelte. Aber ich konnte nicht wegsehen, war selbst viel zu geil und neidisch wahrscheinlich auch. Ob auf Maria oder auf Dieter? Weiß ich heute gar nicht mehr und wusste ich wohl damals genau so wenig.

Im Regal über dem Bett stand zu dieser Zeit schon jahrelang das Hanni-und-Nanni-Buch, das ich jetzt auf dem Schoß liegen habe. Und die Schuld daran, dass nicht ich zum Zug gekommen bin, die trug ich ganz allein selbst. Denn als wir zuvor unschlüssig festlegen wollten, wer denn nun mit wem sollte, hatte ich sofort gesagt, dass doch bitte lieber Maria mit Dieter. Blöde wie ich damals war, weil ich hoffte, die beiden oder wenigstens einer von beiden würde mir widersprechen, weil es ja immerhin mein Zimmer war. Denkst, die Schultern haben sie gezuckt, sich ein bisschen verschämt in die Augen gesehen und los gelegt. Das hatte ich von meiner vornehmen Zurückhaltung.

Auf jeden Fall hab ich von Maria seit ewigen Zeiten nichts mehr gehört. Eine andere Freundin aus Kindertagen hat mir erzählt, dass Dieter verheiratet ist, fünf Kinder hat, sich aber von seiner Frau getrennt hat. Im vergangenen Jahr, erzählte die Freundin, ist Dieter zusammen mit der Noch-Ehefrau, den Kindern, seiner neuen Freundin und deren Noch-Ehemann in den Urlaub gefahren. Wer da wohl mit wem geschlafen hat, würde ich schon gerne wissen. Und bei diesem Gedanken sehe ich wieder Maria und Dieter vor mir auf meinem Bett ihre Unschuld aneinander verlieren.

1.3.06

Signale setzen

Das muss man sich mal vorstellen. Mein derzeitiger Partner plant Sex. Das ist mir noch nie untergekommen. Da wird schon vor dem zu Bett Gehen beschlossen, was Sache ist:

Bleibt die Hose des Schlafanzugs weg, dann geht was. Dann soll was gehen. Dann muss was gehen. Steckt der Körper jedoch in der Hose, dann läuft nichts, selbst wenn ich noch so scharf bin und noch so viel Versuche starte, doch noch irgendwie zu landen.

Ich glaube, ich sollte mich auf die Suche nach einer Wachablösung machen. Das Hosensignal macht mich nicht an, echt nich'. Frustrierend ist das.